Selbsthilfegruppe Chronische Schmerzen

Ein Bericht aus unserem Newsletter 01/2016
Wir sind eine Gruppe von fünf Frauen. Zusammengefunden haben wir aufgrund unseres gemeinsamen Themas. Wir leben alle mit täglichen Schmerzen, welche sich auf verschiedene Art und Weise äußern. Vor rund zwei Jahren haben wir unsere Gruppe mit Unterstützung der Selbsthilfe BE gegründet. Wir treffen uns seither alle drei Wochen für zwei Stunden im Beratungszentrum in Burgdorf.

Wir reden alle vom Gleichen und wir verstehen einander, weil wir alle wissen, wie es ist mit Schmerzen zu leben. Das verbindet uns. Wir pflegen miteinander soziale Kontakte, welche durch unsere spezielle Situation, z.B. durch den Arbeitsplatzverlust aufgrund unserer chronischen Schmerzen, rar geworden sind. Wir respektieren einander und können uns gegenseitig um Rat bitten. Wir haben einen Ort, wo wir uns vertiefter mit unserem Selbst, mit unseren Ängsten und Unsicherheiten auseinandersetzen können. Denn das, was wir besprechen, wird vertraulich behandelt und bleibt unter uns.

Die Treffen gestalten wir immer gleich. Wir starten mit einer Befindlichkeitsrunde in der alle erzählen, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen ist. Im zweiten Teil besprechen wir ein Thema, welches wir im Voraus gewählt und auf das wir uns gedanklich vorbereitet haben (zum Beispiel der Umgang mit den Ärzten, die Auseinandersetzung mit unserer Zukunft und mit uns selbst). Manchmal benötigen wir sogar zwei Treffen, um ein Thema vertiefter zu besprechen, weil es so spannend ist. Wichtig ist uns, dass pro Treffen immer eine Person die Moderation übernimmt. Sie erinnert uns z.B. daran, wenn wir vom Thema abweichen oder dass nur eine Frau sprechen soll und die anderen zuhören. Es ist nach wie vor eine grosse Herausforderung für die Gruppe nicht abzuschweifen, sondern beim Thema bleiben. Wir sind bestrebt, dass alle Frauen gleich viel Raum und Zeit erhalten, um über ihre Situation zu sprechen. Wenn jemand mit einem grösseren Problem konfrontiert ist, dann nehmen wir uns mehr Zeit dafür, denn es ist unser Ziel, einander zu unterstützen und in einer schwierigen Situation zu begleiten. So kommt es vor, dass ein vorbereitetes spannendes Thema auf das nächste Treffen verschoben wird. Dennoch versuchen wir, unsere Themen nicht oft zu verschieben. Am Schluss teilt jede Frau mit, wie es ihr in den letzten zwei Stunden ergangen ist und dann wählen wir ein Thema für das nächste Treffen.

Ungefähr zweimal pro Jahr unternehmen wir etwas. Wir gehen bräteln oder treffen uns zum gemeinsamen Weihnachtsessen. Dabei lernen wir uns von einer anderen Seite kennen und geniessen auch unbeschwerte Momente miteinander. Diese Anlässe sind sehr wichtig und bringen uns einander näher. Obwohl wir alle mit schwierigen Umständen leben, haben wir den Humor nicht verloren und das gemeinsame Lachen tut uns sehr gut.

Barbara M. (Name geändert)

Selbsthilfegruppe für Angehörige von online-süchtigen Menschen

Ein Bericht aus dem Jahresbericht 2013
Onlinesucht? Und ich mitten drin? Warum? Was jetzt? Wie weiter? Ich erinnere mich nicht gerne an den Moment vor 3 Jahren, als ich es von meinem Mann erfahren habe. Hilflos fühlte es sich an, ohnmächtig, ausgeliefert - und sehr alleine. Selbst für die Ärzte, Thera-peuten, Fachstellen und Kliniken waren und sind wir Neuland.

Die Direktbetroffenen finden Hilfe in Kliniken, Angehörige stehen leider oft aussen vor – und eine Co-Abhängigkeit schleicht sich schneller ein als gedacht.

Immer grösser werden Fragen und das Bedürfnis nach verstanden, gehört zu werden. Wo sind all die Anderen? Oder bin ich wirklich der einzige Mensch in dieser schweren Rolle?

Um diesen Fragen nachzugehen, wandte mich an die Mitarbeiterinnen des Beratungszentrums Thun und realisierte mit ihrer Unterstützung die Gründung einer Selbsthilfegruppe. Einer der besten Entscheide meines Lebens! „Meine Gruppe“ ist wie der Schlüssel zu einem Raum mit vielen Fenstern. Und mehr als einer Türe. Diese Gruppe ist Rettungsring, Anker, Chance, Sprungbrett und Freundschaft.

Alle 3 Wochen steht Zuhören, Ermutigen, Austauschen auf dem Programm. Das ICH, unser Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wird gestützt und gestärkt. Wir suchen bei Bedarf gemeinsam nach individuellen Lösungen und Möglichkeiten – und finden sie auch! Sehr persönlich, offen und ehrlich. Nie belehrend und die Lösung kennend – wissend und respektierend, dass jeder Mensch seine eigene Kompetenzen, Ressourcen und Wege hat.

„Hab ich Dein Ohr nur, find‘ ich schon meine Worte…“.

Franziska
Initiantin der Selbsthilfegruppe Angehörige von Onlinesüchtigen

Erwachsene Adoptierte und Pflegekinder

Eine Teilnehmerin schrieb uns nach dem ersten Treffen folgende Zeilen
Das erste Treffen war ganz, ganz speziell und ich kam erleichtert nach Hause, endlich andere Menschen gefunden zu haben, die ähnlich sind wie ich und Ähnliches durchlebt haben und durchleben.

Aber auch aufgewühlt. Es hat mir gezeigt, dass es auch schmerzhaft ist, wenn ein kleines Menschlein, ohne gefragt zu werden aus seinem Umfeld herausgenommen wird. Meine wiedergefundene Sprache, jetzt mit 32 zu erkennen und ausdrücken zu können! Ein Wunder! Aber es ist ein langer Weg, denn wir Adoptierten gehen, um die Stärke zu leben, die wir im Grunde in uns drin erhalten haben.

Auf dem Weg zum Bahnhof habe ich gedacht: Ich bin soo froh - und wusste immer: „Es kann doch nicht sein, dass ich die Einzige bin. Es muss noch andere geben. Da bin ich mir sicher“. Jetzt habe ich einige dieser "Anderen" gefunden. Endlich!
Danke euch vom Selbsthilfezentrum ganz ganz vielmals! Es ist eine riesige Kraft, die sich freisetzen wird, die entsteht und unsere Leben von nun an unterstützen wird.

Natürlich freue ich mich riesig auf die nächsten Treffen. Auf den Austausch. Bin auch ganz gespannt mehr zu erfahren, auszutauschen, zu erkennen, zu entwickeln und mein "Ich" weiter zu festigen. Zu den bisherigen Gefühlen wie „Ich bin nichts, ich kann nichts“ neu das Wissen „Ich bin etwas Besonderes. Ich bin wertvoll“. Das ist ein wunderbarer Schritt und eine dankbare Erkenntnis für das Leben.

A.I., August 2012

Aphasie

Ein Bericht aus dem Jahresbericht 2010
Ein Wort… Aphasie, so einfach für gesunde Leute ein Wort auszusprechen, nicht so für Aphasiker. Aphasie, Verlust der Sprache, eine Welt ohne Worte. Nach einer Hirnverletzung, sei dies durch einen Hirninfarkt, eine Hirnblutung, Tumor, Krankheit oder Schädel-Hirn-Trauma, kann im Hirn das Sprachzentrum geschädigt sein. Damit einher gehen Sprachstörungen bis zum Totalverlust der Sprache. Buchstaben werden möglicherweise zu komischen Zeichen ohne Bezug zu einem Laut.

Aphasie trifft einen Menschen in seinem innersten Selbstverständnis. Von einer Sekunde auf die andere, wird seine Welt verändert. Er kann nicht mehr mit seinen Nächsten kommunizieren, seine Wünsche, seine Meinung, seine Befindlichkeit, sein Wissen nicht mehr mitteilen. Er ist abgeschnitten, ausgegrenzt. Diese Hilflosigkeit in der Kommunikation hat für die Betroffenen grosse Auswirkungen. Telefonieren, Billette kaufen, einem Verkäufer erklären was gewünscht wird…… unmöglich. Zudem werden Aphasiker oft als dumm, blöd, beschränkt, gar als geistig behindert, beurteilt, bloss weil sie sich sprachlich nicht mehr mitteilen können. Dabei sind die geistigen Fähigkeiten voll da. Das sind für Betroffene echt erniedrigende Situationen.

Um durch Aphasie betroffenen Menschen aus der drohenden Vereinsamung, Isolation, heraus zu holen, hat in Bern vor 14 Jahren Gertrud Liebermann, (selber Betroffene), die „Aphasie-Gruppe Bern“ gegründet. Es ist eine selbständige Selbsthilfegruppe, unter der Dachorganisation „aphasie suisse“. Die Mitglieder dieser Gruppe treffen sich einmal im Monat. Dabei sind der Austausch und das gesellige Zusammensein im Vordergrund. Ausfüge, Kino- und Museumsbesuche, gemeinsames Spielen gehören auch dazu. Dadurch lernen sich Betroffene kennen und es entstehen Freundschaften welche auch ausserhalb der Gruppe bestehen und den Betroffenen Mut, Halt und Zuversicht geben.
INFO zur SHGruppe: http://www.aphasie.org/index.php?id=167

Aphasiker singen…. wie ist das möglich? Im Gehirn ist die Region für die Sprache nicht identisch mit der Region für Musik, Töne und Singen. Darum ist es möglich, dass ein Aphasiker durchaus ihm bekannte Lieder singen oder mitsummen kann. Dies ist kaum zu glauben, aber wahr. Darum wurde in Bern im letzten Jahr durch Marco G. Bonetti (selber Betroffener) und Renate Bichsel (Chorleiterin) ein Aphasiker Chor, die „AphaSingers Bern“ gegründet. Die SängerInnen treffen sich alle zwei Wochen zum gemeinsamen Proben in der Markuskirche Bern. Unter dem Motto: „Wir singen weil es uns Freude macht“ sind die SängerInnen mit enormer Begeisterung dabei.

Burnout - Eine Chance, mein inneres Feuer wieder zu entfachen

Ein Bericht aus unserem Newsletter 02/2013
Vor ungefähr fünf Jahren litt ich unter Symptomen, welche meine körperliche und seelische Gesundheit beeinträchtigte und mich vor ein Rätsel stellten. Eine innere Leere; chronische Müdigkeit und Angstzustände plagten mich. Was die Ursache für den schleichenden Prozess war, der mir immer mehr Lebensfreude nahm, wusste ich nicht. Mitten in der alltäglichen Hektik entdeckte ich ein Buch mit dem Titel „Burn-out – Wenn Frauen über ihre Grenzen gehen“. Ich kaufte dieses Buch und setzte mich mitten in der geschäftigen Stadt sogleich auf eine Parkbank und begann zu lesen... Schon nach einigen Buchseiten wurde mir schlagartig klar, dass ich endlich eine Umschreibung für meinen „Zustand“ gefunden hatte: Erschöpfungsdepression oder englisch burn-out (ausbrennen)!

Ich wusste nun, an was ich litt und doch konnte und wollte ich (noch) nicht handeln. Es dauerte nochmals einige Zeit – meine Gesundheit verschlechterte sich merkbar – bis mir wirklich bewusst wurde, dass ich selbst diejenige bin, die für mein Leben verantwortlich ist. Es war höchste Zeit, die „Notbremse“ zu ziehen und zu handeln.

In meinem Umfeld veränderte sich sehr vieles: Mein langjähriger Lebenspartner kündigte mir die Beziehung völlig überraschend; meine Eltern zogen in einen entfernten Kanton um; ein beruflicher Wechsel stand bevor. Mein Leben kam immer mehr ins Strudeln und ich war orientierungslos und völlig erschöpft. Zum Einen musste ich von Vielem loslassen, zum Andern neue Wege und Wurzeln suchen.

In dieser Zeit besuchte ich erstmals eine Selbsthilfegruppe. Regelmässig traf ich mich mit Betroffenen zum Thema „Schwerhörige im Berufsleben“. Zu Beginn war es interessant zu erfahren, wie andere ihr Leben mit einer Behinderung meistern. Doch diese Gespräche ermüdeten mich rasch und ich fühlte, dass ich nur wenig „mitnehmen“ konnte. Zudem war die Teilnahme der Mitglieder sehr unregelmässig, bis der Gruppengründer schliesslich die Gruppe auflöste.

Als ich die Entscheidungen, sowohl die berufliche Anstellung als auch die selbständige Tätigkeit aufzugeben und den Wohnort zu wechseln, getroffen hatte, nahm ich mir die dringend benötigte „Auszeit“. Endlich Zeit für mich! Ich zog mich zurück, reflektierte mein Leben, erholte ich mich dennoch aber nur langsam. Ich war weiter auf „Sinnsuche“. Da man mir meine „Leiden“ äusserlich nicht ansah, reagierte das Umfeld sehr unterschiedlich auf meine Situation und die Veränderungen. Ich fühlte mich zeitweise unverstanden, allein gelassen und konnte nach wie vor nicht recht einordnen, was mit mir geschah.

Der Wunsch, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen, wuchs. Konnte mir das in meiner schwierigen Lebensphase weiterhelfen? Ich meldete mich bei verschiedenen Selbsthilfezentren und erhielt die Information, dass es in meiner Wohnregion keine bestehende Gruppe zum Thema Burn-out gab. Erstaunt stellte ich fest, dass der Austausch unter den Betroffenen nicht gesucht wurde. Obwohl der Begriff in aller Munde war und immer mehr Menschen der leistungsorientierten Arbeitswelt zum Opfer fielen. Die Idee, selber eine Gruppe zu gründen, reifte langsam heran. Ob ich diese neue Aufgabe in Angriff nehmen sollte? Ich war unsicher... Mein erstes Gespräch mit Brigitte Gidl im Selbsthilfezentrum Emmental-Oberaargau stärkte mich. Von Anfang an spürte ich die tatkräftige Unterstützung für mein Vorhaben. Wir erstellten einen Plan nach Bedürfnissen und Möglichkeiten. Bald war auch zur Interessentensuche ein Flyer zum Burn-out-Thema gestaltet.

Trotz viel Engagement vom Selbsthilfezentrum und mir blieben Interessierte aus und meine Zuversicht sank. Weil ich den Austausch unbedingt suchte, meldete ich mich bei der Selbsthilfegruppe „Verein zur Bewältigung von Depressionen“. Dort gut aufgenommen, gaben mir die Gespräche Halt. Diese weitere Erfahrung in einer Selbsthilfegruppe brachte mir noch mehr Klarheit. Nach einigen Monaten merkte ich, dass ich trotz positivem Erleben in dieser Gruppe nicht am richtigen Platz war. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen brachten viel Verständnis für meine Situation auf, als ich mich aus der Gruppe verabschiedete.

Nach einem dreiviertel Jahr bekam ich die Nachricht vom Selbsthilfezentrum, dass sich doch einige Interessierte für meine Gruppengründung gemeldet hätten. Der Aufbau konnte beginnen! Ich freute mich sehr und war gespannt auf unsere erste Zusammenkunft mit 7 Personen im Januar 2012. In einer Vorstellungsrunde erfuhren wir gegenseitig die Lebensgeschichten, Schicksale und vor allem die Tatsache, dass wir alle vom „Gleichen“ sprachen. Es war entscheidend für mich – und wohl auch für die anderen Teilnehmer – dass ich mich in den Situationen der anderen wiedererkennen konnte. Ich fühlte mich verstanden bzw. wahrgenommen mit meiner „Krankheit“ und stand nicht mehr allein da.

Bevor wir Betroffenen uns zu „brennenden“ Themen rege austauschen konnten, stand jedoch für einige Abende das Organisatorische und Grundlegendes zur Gruppenarbeit im Zentrum. Wie sollten unsere Treffen ablaufen? Welche Vereinbarungen waren wichtig? In diesem Prozess begleitete uns das Selbsthilfezentrum mit ihrem kompetenten Know-how. Bisweilen anstrengend, erwies sich die Erarbeitung dieser Basis als wertvoll. Es fand eine gemeinsame Entwicklung und ein gegenseitiges Kennenlernen statt.

Heute, nach bald einem Jahr, ist unsere Gruppe weiter zusammengewachsen. Die Treffen sind geprägt von Wertschätzung, Rücksichtnahme, Engagement jedes Einzelnen und reichlich vorhandenem Gesprächsstoff. Es ist ein Geben und Nehmen. Ich fühle mich wohl in der Gruppe und gehe meist mit weniger „Ballast“ nach Hause. Manchmal wünschte ich mir, dass sich noch mehr Betroffene melden würden, damit sie ihre Befindlichkeit mit uns teilen könnten. Aus dem Teufelskreis „Burn-out“ auszubrechen ist nicht einfach – das habe ich selbst erfahren.

Diese persönlichen Erfahrungen – Menschen in der gleichen Lebenslage anzutreffen und ein weiteres Netzwerk zu haben – schätze ich sehr, auch wenn der Weg zu diesem Ziel manchmal ganz schön steinig und mit Abstechern gepflastert war. Mein Leben wird vielleicht immer ein Auf und Ab sein, aber ich weiss nun, dass es stets offene Ohren für meine Anliegen gibt und ich der Einsamkeit nicht ausgeliefert bin. Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit der Selbsthilfe angenommen habe und so eine von vielen Chancen erhalten habe, das innere Feuer allmählich wieder zu Entfachen...

C.W., Initiantin der Selbsthilfegruppe „Burn-out“