Wie bist du auf die Selbsthilfe aufmerksam geworden und was hat dich dazu motiviert, in einer Selbsthilfegruppe mitzumachen?
Durch spezifische Fragen zu meiner Diagnose und dem Umgang damit bin ich durch meinen Therapeuten auf die Idee gekommen, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Da in Thun für mein Anliegen keine Selbsthilfegruppe existierte, gründete ich mit Hilfe der Mitarbeiterin vor Ort selbst eine Gruppe.
Welche Vorstellungen hattest du vom Austausch in einer Selbsthilfegruppe?
Ich konnte mir nicht ganz vorstellen, wie das alles «selbstorganisiert» funktionieren soll. Von wo kommt die Expertise? Wer schaut, dass sich das ganze nicht wieder verzettelt? Diese Vorstellung fiel mir insofern schwer und ich war zu Beginn skeptisch.
Wie hat Selbsthilfe BE dich bei der Suche nach einer geeigneten Selbsthilfegruppe unterstützt?
Regula Maag, die Beraterin von Selbsthilfe BE am Standort Thun, hat sich für mich Zeit genommen und ausführlich mit mir besprochen, was mein Anliegen ist und für wen genau die Gruppe sein soll.
Wie hast du den Aufbau der Selbsthilfegruppe erlebt und welche Art von Begleitung oder Unterstützung war für dich in dieser Phase besonders wertvoll?
Drei Termine zum Aufbau einer Gruppe innerhalb von drei Wochen - das tönt aufwändig und mühsam. Das war es auch, da möchte ich nicht lügen. Nichtsdestotrotz konnte mit diesen drei Terminen ein solides Fundament für die langfristige Existenz der Gruppe gelegt werden.
Wie läuft ein Treffen der Gruppe ab?
Da sind wir immer noch am Experimentieren. Klar soll es ein persönlicher Austausch sein, allerdings ist das auch nicht ganz einfach, ohne schon eine Stunde zu «verquatschen». Nach dem Einstieg versuchen wir uns auf ein explizites Thema zu fokussieren, dass beim letzten Treffen vereinbart wurde. Im Moment sind wir dabei, dass verschiedene Personen der Gruppe mal «ihre» Geschichte ein bisschen vertiefter erzählen.
Was ist das Verrückteste/Lustigste, was an einem Treffen passiert ist?
Regelmässig gibt es Momente, wo man sich so verstanden fühlt wie sonst kaum im Alltag. Schlussendlich verbindet uns alle eine AD(H)S-Diagnose, und es gibt unglaublich spezifische Erlebnisse aus dem Alltag, die sonst kaum jemand nachfühlen kann. Ich persönlich habe mittlerweile auf einem Blatt Papier angefangen diese Erlebnisse zu sammeln – sie eignen sich gut, um Personen ohne AD(H)S zu erklären, wie sich das Leben damit anfühlt.
An welchen Herausforderungen seid ihr als Gruppe gewachsen?
An einer ersten Herausforderung sind wir momentan dran. Nach der Gründungsphase im Sommer 2025 haben wir nun die ersten und interessantesten Themen «ausdiskutiert». Es wird sicherlich eine Herausforderung, weiterhin neue Themen zu finden und sich nicht im Kreis zu drehen und wieder von vorne zu beginnen. Gleichzeitig haben wir in den letzten Wochen aber ziemlich Zuwachs erhalten – diese Mitglieder waren bei den ersten Treffen ja nicht dabei. Das stelle ich mir nicht ganz einfach vor.
Welche positiven Veränderungen kannst du bei dir persönlich feststellen und wie zeigt sich das?
Meine Probleme kann ich nun besser in Relation setzen. Gleichzeitig weiss ich um meine «Verbündeten», mit denen ich mich regelmässig austauschen kann.
Welches war der beste Input, den du bei einem Austausch bekommen hast?
Immer daran zu denken, dass was für mich «normal» ist, für Menschen ohne AD(H)S aussergewöhnlich ist. Das hilft mir, meinem Umfeld öfter und teilweise von mir aus zu erklären weshalb ich eine Sache nun genau so mache, wie ich sie eben mache oder empfinde.
Weshalb würdest du anderen Menschen die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe empfehlen?
Man findet sonst kaum irgendwo auf so engem Raum eine solch grosse Überschneidung in einer Thematik, die einem in jedem Lebensbereich beeinflusst.